Neue urbane Mobilität: Der Wandel erfolgt jetzt

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Die urbane Mobilität unterliegt einem grundlegenden und tief greifenden Wandel, der weitreichende Folgen für Automobilhersteller, Anbieter alternativer Mobilität und Kommunen hat. Die Bain-Studie „Neue urbane Mobilität“ liefert erstmalig Erkenntnisse, wie sich die Einstellungen urbaner Bewohner in puncto Mobilität von 2013 bis heute verändert haben.

Das Umdenken hat bereits begonnen. Denn einerseits nimmt die Verkehrsdichte in den Metropolen deutlich zu und schränkt die klassische automobile Mobilität zunehmend ein. Andererseits kommen neue Formen der Mobilität auf, beispielsweise Ride-Hailing oder Car- und Bikesharing. Und nicht zuletzt diskutieren Kommunen Fahrverbote. Zugleich verbessern sie kontinuierlich die Nahverkehrsangebote.

Die Konsequenz: Das eigene Auto verliert in urbanen Ballungsräumen an Attraktivität. Bisher werden alternative Mobilitätsangebote überwiegend als Ergänzung zum eigenen Pkw genutzt, sodass es faktisch keine Auswirkungen auf den Absatz von Neufahrzeugen gibt. Doch eine wachsende Zahl von Städtern stellt den Besitz eines eigenen Autos infrage. Das liegt an immer zahlreicheren und besseren Mobilitätsalternativen bis hin zur Einführung von Robo-Taxis zu Beginn des nächsten Jahrzehnts. Auch stärker werdende Einschränkungen in der Mobilität mit dem eigenen Pkw in den Städten befeuern die Zweifel.

Statussymbol Auto verliert an Glanz

Der Studie zufolge steigt das Interesse an alternativen Mobilitätsangeboten unter den mehr als 1.700 Befragten in Deutschland und Österreich. Abhängig vom jeweiligen Zukunftsszenario sind zwischen 17 und 34 Prozent der Autofahrer in den Ballungsgebieten Berlin, München, Rhein-Ruhr und Wien bereit, bei entsprechenden Mobilitätsalternativen auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten.

Wesentliche Entscheidungskriterien bei der Wahl des Verkehrsmittels bleiben weiterhin wichtig oder nehmen sogar an Bedeutung zu. Dazu zählen insbesondere Sicherheit, Flexibilität und Verfügbarkeit. Weitere Aspekte wie Freude an der Mobilität büßen zum Teil erheblich an Relevanz ein. Und nur noch 29 Prozent der Befragten in Deutschland und Österreich betrachten das Auto als Statussymbol. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2013. In Wien liegt dieser Wert mit 25 Prozent sogar noch niedriger.

Selbstverständnis der Hersteller unterliegt fundamentalem Umbruch

Welche Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle sich wo und wie schnell durchsetzen werden, ist zum heutigen Zeitpunkt noch offen. Sicher ist indes, dass der Wandel kommt. Dabei laufen die Automobilhersteller Gefahr, dass sich andere Unternehmen zwischen sie und ihre heutigen Kunden schieben. Schnittstelle und Interaktion mit dem Kunden drohen verloren zu gehen, was sich negativ auf die Profitabilität in der neuen stabilitätswertschöpfungskette auswirken kann.

Noch ist der Markt für Mobilitätsdienstleistungen im Entstehen begriffen. Doch bereits heute ist abzusehen, dass er weitreichende Veränderungen mit sich bringen wird. Dies gilt für die künftige Wertschöpfung der individuellen Mobilität ebenso wie für die in Zukunft benötigten Fahrzeugmodelle und ihre Ausstattung. Selbst das Markenversprechen wird im Kontext der neuen urbanen Mobilität neu interpretiert werden müssen.

Viele Automobilhersteller arbeiten bereits an entsprechenden Konzepten und haben zum Teil substanzielle Investitionen getätigt. Sie konkurrieren bei urbanen Mobilitätslösungen jedoch mit Technologieunternehmen wie Uber, Didi, Alphabet (Google) oder Apple, die einer völlig anderen Bewertungslogik unterliegen und damit deutlich größere Investitionsspielräume haben.

Zu den Gewinnern werden diejenigen Autobauer zählen, die sich optimal entlang der neuen Mobilitätswertkette aufstellen. Die Unternehmen müssen sich entscheiden, in welchen Bereichen sie selbst aktiv werden, welche Partnerschaften sie eingehen und welche Zulieferdienste sie für andere übernehmen. Dies stellt einen fundamentalen Umbruch im Selbstverständnis der Hersteller dar, die im traditionellen Automobilgeschäftsmodell die Wertkette bisher weitgehend dominiert haben.

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